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seid dem 20.01.2010

Eine abwechslungsreiche Torhüterkarriere hat Marc Ziegler hinter sich. Nach einigen Jahren beim VfB Stuttgart sammelte er Auslandserfahrung in der Türkei und in Österreich sowie in Deutschland bei Arminia Bielefeld, Hannover 96 und dem 1.FC Saarbrücken. Seit der Saison 2007/08 ist er bei Borussia Dortmund unter Vertrag, wo er einen Dreijahresertrag unterschrieben hat. Seinen Paraden hatte es der BVB vor allem zu verdanken, dass sie das DFB-Pokalfinale erreichten.

Goalkeeping.com sprach mit ihm über seine bisherige Laufbahn, seine Auslandserfahrungen und seine sportliche Zukunft.

Marc, du wurdest im letzten Jahr als Nr. 2 von Borussia Dortmund verpflichtet und erhieltest nach der Verletzung von Weidenfeller teils hervorragende Kritiken. Wie warst du selbst mit dem Saisonverlauf zufrieden?
Ziegler: Ich betrachte nur sehr ungern den Torwart und den Rest der Mannschaft getrennt voneinander. Auch ist es immer sehr schwer, etwas über sich selbst zu sagen. Wenn man sich die abgelaufene Bundesligasaison anschaut, waren wir mit dem 13. Tabellenplatz natürlich unzufrieden. Es hätte einfach besser laufen können und müssen. Das Hightlight war ganz klar die Teilnahme am Finale des DFB-Pokals, das wir leider verloren, aber so konnten wir die ansonsten schwache Saisonleistung noch ein bisschen aufpolieren. Zum Glück erreichten wir dadurch auch einen internationalen Wettbewerb. 

Nach dem Pokalerfolg gegen Werder Bremen bist du zum Pokalheld avanciert, als du den Elfmeter von Diego hieltest. Was ist deine Strategie beim Elfmeter? Arbeitest du auch mit Zettel und Datenbank oder verlässt du dich mehr auf deine Intuition?
Ziegler: Ich bekam schon öfters Tipps von unserem Torwarttrainer Teddy de Beer, der über die Schützen der Bundesliga Buch führt und sich dadurch gut auskennt. Bei Diego war es allerdings der zweite Elfmeter im Spiel, den er auch prompt ins andere Toreck schoss. Aber einen Elfmeter zu halten ist natürlich auch immer ein wenig Glücksache. Man versucht lange stehen zu bleiben. Bei einem Schützen weiß man, dass er gleich schießt, während der andere ein bisschen verzögert, aber insgesamt gehört viel Glück dazu.

Leider ist dir im Saisonverlauf auch ein schwerwiegender Fehler nach einem Rückpass unterlaufen. Werden solche Fehler deiner Meinung viel zu sehr aufgebauscht, sind solche „Pannen“ für die Medien interessanter als gute Paraden?
Ziegler: Teils, teils. Man wird in der Presse sehr schnell hoch gelobt, wie bei mir z.B. nach dem Bremen-Spiel, andererseits bekommt man auch einiges auf die Mütze. Aber das bringt der Job des Torhüters einfach mit sich. Mit der Zeit lernt man aber damit zu leben, weil man weiß, wie man das alles einschätzen muss.

Bereits als 19-jähriger hattest du Eike Immel im Tor des VfB Stuttgart beerbt, als Jugend-Nationaltorhüter schien dir eine glänzende Karriere bevorzustehen. Trotzdem hast du dich nicht so entwickelt, wie es dir viele prophezeit hatten. Was waren die Gründe für dich?
Ziegler: Eine gute Frage. Ich denke, dass der Zeitpunkt meines ersten Einsatzes sehr früh war, dass eine große Bürde auf mir lastete, das soll aber keine Entschuldigung sein. Ich bin froh, dass alles so gelaufen ist. Ich habe dadurch auch im Privaten sehr viele Erfahrungen gemacht. Daher blicke ich nicht negativ auf diese Zeit zurück. Ich schaue gerne zurück, aber auch gerne in die Zukunft. Ich bin jetzt beim BVB, wo es mir sehr viel Spaß macht, und ich freue mich auf die nächsten beiden Jahre.

Die Unterschiede zwischen den Torhütern in der Bundesliga sind sicherlich sehr gering. Wie viel Glück gehört auch dazu, sich als Nr. 1 durchzusetzen?
Ziegler: Diese Frage passt auch noch zur vorherigen Frage. Es ist wichtig, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Manchmal entscheidet ein Bruchteil einer Sekunde, ob man sich richtig verhält und somit die richtige Entscheidung trifft. Zur richtigen Entscheidung gehört auch Glück, denn das Spiel ist heute so schnell geworden, dass man wenig Zeit hat zu überlegen. Man muss das intuitiv machen. Deshalb gehört zum Erfolg natürlich viel Fleiß und Talent, aber auch viel Glück.

Trotz beeindruckender Benotungen und Statistiken bekamst du selten die Anerkennung, die dir eigentlich aufgrund der guten Werte und Ergebnisse zustehen würde. Wie erklärst du dir dieses Missverhältnis?
Ziegler: Zunächst einmal danke für die Blumen (lacht). Vielleicht mag es daher kommen, dass es viele spezielle Situationen waren. Damals beim VfB Stuttgart war ich noch sehr jung, man wollte einen erfahrenen Torhüter holen. Nachdem die Verpflichtung von Andy Köpcke nicht klappte, musste man, um das Gesicht zu wahren, jemand Neues verpflichten und nahm den damaligen österreichischen Nationaltorhüter Franz Wohlfahrt unter Vertrag. Ich denke, dass ich die erste Saison in so jungen Jahren ganz ordentlich gehalten hatte, aber diese Leistung war nach kurzer Zeit schon wieder verblasst. Das war jetzt ein Beispiel dafür, dass man das Glück haben muss, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Bei mir war das nicht immer der Fall, aber dennoch bin ich, wie schon erwähnt, zufrieden.

Du warst auch einige Jahre im Ausland tätig, nämlich in der Türkei und in Österreich. Was nimmt man da für seine Torhüterlaufbahn als auch privat mit?
Ziegler: Sehr viel, sehr viel Lebenserfahrung. Gerade der Aufenthalt in der Türkei war sehr anstrengend, aber man hat auch viele Erfahrungen in diesem Land gemacht. Man ist dort total auf sich allein gestellt, man muss alles selbst koordinieren und managen, auch im privaten Bereich. Da nimmt man schon viel mit. In der Zeit in Österreich ist mein erster Sohn geboren worden. Es war auch dort eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte.

Du warst in dieser Zeit auch sportlich sehr erfolgreich.
Ziegler: In den 3 Jahren dort sind einige Titel zustande gekommen, unter anderem die österreichische Meisterschaft mit dem FC Tirol Innsbruck.

Du hattest dort aber auch wieder Pech, z.B. durch die Insolvenz des Vereins …

Ziegler: Ja genau. Ich möchte nicht hadern, aber durch diese Insolvenz des Vereins FC Tirol Innsbruck musste ich dort weg und wurde notverkauft. In Hannover war es dann ganz extrem, da wollte ich fast schon aufhören. Ich spielte bei 96 eine gute Saison, die beiden Vereine (Hannover 96 und Austria Wien) konnten sich aber nicht über die Ablösesumme einigen. Zum Glück wollte mich dann Thomas Schlieck von Bielefeld verpflichten. Ich erlebte also Höhen und Tiefen, aber die prägen.
 
Wie hast du die Sommerpause genutzt?
Ziegler: Im modernen Fußball kommt es sehr viel auf die Athletik an. Da kann man im Urlaub nicht mehr total ausruhen oder gar nichts tun. Ich bereite mich daher auch schon auf den Trainingsbeginn vor, denn es gibt nichts Schlimmeres als eine Woche lang in der Vorbereitungsphase Muskelkater zu haben. Deshalb habe ich lieber vorsorglich einiges getan.

Euer neuer Trainer Jürgen Klopp äußerte in einem Interview, dass Roman Weidenfeller die Nr. 1 sein wird, wenn er fit ist. Hast du dich mit der Rolle als Nr. 2 abgefunden?
Ziegler: Ich habe mit Jürgen Klopp noch nicht darüber gesprochen, aber es macht auch keinen Unterschied. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer 100% reinhaue, ob als Nr. 1 oder Nr. 2, und das wird auch so bleiben.

Du bist jetzt 32 Jahre alt. Welche sportlichen Ziele hast du dir für die nächste Zukunft noch gesteckt?
Ziegler: Ich hatte im letzten halben Jahr ziemlich viele kleine Wehwehchen, allerdings keine schlimmen Verletzungen. Ich möchte diese gerne abstellen. Ich will mich 100% fit fühlen und fit machen, das ist zunächst einmal das wichtigste Ziel. In den 6 Wochen Vorbereitungszeit wird mir das auch mit Sicherheit gelingen (lacht).

Du hast sicherlich auch die EM 2008 und dabei die Torhüter im Besonderen verfolgt. Welcher Torhüter hat dich am meisten überzeugt und warum?
Ziegler: Von Buffon, der ja seit vielen Jahren sehr beständig ist, war ich sehr angetan. Er war ja erstmals der Kapitän der italienischen Nationalmannschaft und hat sie sehr gut geführt. Mir selbst imponiert auch die Lockerheit, mit der er seine Aufgaben angeht. Es soll auch in seinem Alltag dieser lockere Typ sein, wie ich von seinem ehemaligen Mannschaftskollegen bei Juve, Robert Kovac, weiß. 

Was kann der BVB deiner Meinung nach in der kommenden Saison erreichen?
Ziegler: Ich denke, dass wir die letzte Saison total unter unseren Möglichkeiten spielten. Das weiß jeder und wurde auch oft genug geäußert. Ich hoffe, dass wir in dieser Saison einfach mehr Beständigkeit erreichen und einem konstant hohen Niveau spielen. Wenn dann das ein oder andere dabei herausspringt, nehmen wir das gerne mit.

Wir möchten uns herzlich bei dir bedanken, dass du dir die Zeit für uns genommen hat, und wünschen dir viel Erfolg!